Spektren kalibrieren
Mit dieser Funktion können Absorptions- und Streugradspektren auf eine nutzerdefinierte Ziel-Nachhallzeit kalibriert werden.
Wenn die für eine CadnaR-Berechnung zu verwendenden akustischen Materialeigenschaften mit einer gewissen Unsicherheit behaftet sind, können diese mit Hilfe dieser Funktion automatisiert angepasst werden. Hierfür werden mehrere Simulationsrechnungen, bei denen jede Materialeigenschaft in einem vorgebbaren Intervall variiert wird, durchgeführt und die Nachhallzeit ermittelt. In einem iterativen Prozess werden die Materialparameter so lange angepasst, bis die bestmögliche Übereinstimmung mit der vorgegebenen Ziel-Nachhallzeit erreicht wird.
Sinnvollerweise wird die Funktion eingesetzt wenn z.B. belastbare Messwerte für die Nachhallzeit zur Verfügung stehen und kleine Unsicherheiten hinsichtlich der im CadnaR-Modell verwendeten Absorptions- und Streugrade verbleiben - sei es weil das Material nicht genau bekannt bzw. erkennbar ist (z.B. Akustiklochdecke mit unbekannter Materialauflage) oder weil durch die vereinfachte 3D-Modellierung in Summe tendenziell absorptionserhöhende Objekte weggelassen worden sind bzw. wenn unklar ist, welcher Streugrad etwa für die als glatte Oberfläche modellierten aber in der Realität doch mit einer gewissen Struktur versehenen Raumbegrenzungsflächen anzusetzen ist.
Es gilt daher die Materialwerte vor Verwendung dieser Funktion bestmöglich vorzugeben, eine sehr begrenze Anzahl an Materialien (lieber 2 statt 25) mit nicht zu großem Kalibrierungsintervall zuzulassen und nach erfolgter Kalibrierung die Ergebnisse stets zu hinterfragen und ggf. die Funktion mit angepassten Startwerten neu auszuführen (z.B. wenn im Extremfall aus einer strukturierten Akustikdecke nach dem Kalibrieren eine glatte Betonwand geworden ist.)
Die Kalibrierung wirkt stets auf die Materialeigenschaften, also die Absorptions- und Streugradspektren. Stark vereinfacht gesprochen gilt: Je größer die Summe der Objektoberflächen, denen die jeweilige Materialeigenschaft zugewiesen ist, desto größer ist der Einfluss des Materials auf die Nachhallzeit. Es geht deutlich schneller wenige Materialen mit großem Einfluss auf die Nachhallzeit zu kalibrieren statt viele Matieralien mit kleinem Einfluss ebenfalls zu berücksichtigen.

Dialog „Spektren kalibrieren“
Dialogoptionen
Ziel-Nachhallzeit (s)
Nutzerdefinierte Zielvorgabe für Referenz für das Kalibrierungsergebnis für die räumlich gemittelte Nachhallzeit (aller aktiven Immissionsorte der gerade aktiven Variante) dient. Kein Eintrag bei einem Oktavwert bedeutet, dass diese Oktave von der Kalibrierung ausgenommen ist.
Standard-Kalibrierungsbereich
Standardvorgabe für Maximale Abweichung des Endergebnisses nach der Kalibrierung zum Startwert vor der Kalibrierung je Material je Oktave. Default: 0.1. Das genaue Intervall je Material und Oktave kann wie unten beschrieben abweichend von der Standardangabe definiert werden.
automatisch nächste Iteration starten
Bei deaktivierter Option stoppt der Kalibrierungsprozess nach jeder Iteration und überlässt dem Nutzer die Entscheidung, ob das bisher erzielte Ergebnis ausreichend ist und die bereits erzielten Materialanpassungen übernommen werden sollen. Bei aktivierter Option wird so lange weiter gerechnet, bis die das bestmögliche Kalibrierungsergebnis erzielt wurde (standardmäßig aktiviert).
Parameter-Suchraum schneller verkleinern
Kann zu einer Verkürzung des Kalibrierungsprozesses führen indem die Rechnung mancher Parameterkombination übersprungen wird. Möglicherweise wird aber ohne Verwendung dieser Option eine bessere Übereinstimmung mit der Ziel-Nachhallzeit erreicht (standardmäßig deaktiviert).
Listen mit zur Kalibrierung vorgesehen Absorptions- und Streugradspektren
In den beiden Listen sind die zur Kalibrierung vorgesehen Absorptions- und Streugradspektren sichtbar:

Dialog Kalibrierbares Spektrum
Durch Doppelklick auf einen der Listeneinträge wird der Dialog „kalibrierbares Spektrum“aufgerufen, der eine exakte Definition der Intervallgrenzen für die Kalibrierung des Materials erlaubt:

Über die Schaltfläche „Default Range“ können die obere und untere Kalibrierungsintervallgrenze (Min, Max) automatisch anhand des bei „Standard-Kalibrierungsbereich“ angegebenen Wertes angepasst werden.
Listen leeren (Schaltfläche)
Leert die Listen für zur Kalibrierung vorgesehenen Spektren.
Absorptionspektrum hinzufügen und Streugradspektrum hinzufügen (Schaltflächen)
Öffnet die lokale Bibliothek zur Auswahl eines Materials. Auch bei Streugraden können nur Spektren kalibriert werden. Wenn ein Streugrad als Rauhigkeit zu Grunde gelegt werden soll kann ein entsprechendes Startspektrum hinzugefügt werden (“Streugradspektrum aus Rauhigkeit erzeugen“ siehe Streugrade (lokal/global) )
Hinweis
Durch das Kalibrieren wird das bestehende Spektrum verändert. Wenn das Ausgangspektrum, also der Startwert der Kalibrierung später noch zur Verfügung stehen soll, empfiehlt es sich eine Kopie (mit geänderter ID) dieses Spektrums zu erzeugen.
Nachhallzeiten (Schaltfläche)
Öffnet den Dialog „Räumlich gemittelte Nachhallzeiten“ mit einigen Voreinstellungen und speziellen Darstellungen während einer laufenden Kalibrierung.
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Dialog räumlich gemittelte Nachhallzeiten (keine Kalibrierung laufend) |
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Dialog räumlich gemittelte Nachhallzeiten während der Kalibrierung |
jetzt kalibrieren (Schaltfläche)
Startet den Kalibrierungsprozess. Falls der Nachhallzeitdialog nicht bereits geöffnet ist wird nachgefragt, ob dieser geöffnet werden soll (empfohlen zur Überwachung des Kalibrierungsprozesses).

